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28.09.2009

NRock Kiel feiert Richtfest. Nur 14 Monate nach der Grundsteinlegung ist der Rohbau des Gebäudes fertiggestellt und Teile der Fassade bereits montiert.
25.09.2009 | 17:18 Uhr | Kieler Nachrichten| Boris Geissler
Das Partikeltherapiezentrum im Pastor-Husfeldt-Park wurde am Freitag gerichtet
Warten auf den Beschleuniger
Kiel - Vier Jahre liegen zwischen Machbarkeitsstudie und dem Richtfest des Partikeltherapiezentrums NRoCK am Freitag. Ende 2011 soll hier die konventionelle Strahlentherapie, wenige Monate später auch die Partikeltherapie zu arbeiten beginnen.

Je näher das Herz des Partikeltherapiezentrums in den Tiefgeschossen unter dem Pastor-Husfeldt-Park kam, desto finsterer wurde es. Betonstufen, Kabel und Schläuche auf dem Boden, verwinkelte Gänge: Im zweiten Untergeschoss des Partikeltherapiezentrums NRoCK (Nordeuropäisches Radioonkologisches Centrum Kiel) lotste Geschäftsführer Prof. Bernd Kremer eine Delegation des Universitätsklinikums Oslo durch die Katakomben. NRoCK gilt mit einer Investitionssumme von 254 Millionen Euro als eines der größten Projekte in öffentlich-privater Partnerschaft im deutschen Gesundheitswesen. Jetzt sollten die Skandinavier als einer der Kooperationspartner den künftigen Standort eines der Beschleuniger zu sehen bekommen, in dem Teilchen auf bis zu 60 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, um Krebspatienten Tumore „weg beamen“ zu können, wie Prof. Stephan Schreiber, Dekan der Medizinischen Fakultät Kiel, sportlich beschrieb.

Während der Richtkranz baumelte und die Spitzen von Stadt und Land sich dem Fest-Ausklang widmeten, steckte Kremer im Stockdunkeln auf. Er, der die Werdung des als Protonentherapiezentrum im Schlosspark begonnenen Unternehmens initiiert hatte, war der Einzige, der sich noch zurecht fand. „Sonst ist es hier taghell“, bedauerte er, „aber heute wird nicht gearbeitet“ - schließlich war Richtfest. 14 Monate nach Grundsteinlegung nimmt die NRoCK-Fassade Gestalt an, die Fenster der Patientenzimmer sind bereits verglast.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) erinnerte an die Übereinkunft mit Hamburg, sich zunächst für Kiel als Standort für Partikeltherapie zu entscheiden. „Mit dieser Therapie wird Schleswig-Holstein eine Spitzenposition einnehmen“, hofft Carstensen, in dieser Hinsicht stehe Kiel in Nordeuropa derzeit „einzigartig“ da. Mit den zu erwartenden Patienten unter anderem aus Skandinavien liege der Einzugsbereich bei etwa 15 Millionen Menschen.

Auf einen „Schub für die Stadt“ setzte Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) und kündigte an, die Infrastruktur für Patienten und Angehörige in Kiel vorzubereiten, die nach der Eröffnung kommen sollen. Er erinnerte an das Tempo, in dem die Verwaltung den B-Plan durchgezogen hatte: „Rekordverdächtig.“

In der Anlage mit drei Behandlungsplätzen sollen jährlich etwa 3000 Patienten mit tiefliegenden oder in der Nähe von empfindlichem Gewebe wachsenden Tumoren behandelt werden. Dafür werden Protonen und Kohlenstoff-Ionen per Gasentladung frei gesetzt und in Linearbeschleuniger und Synchrotron auf bis zu 60 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Die millimetergenau einstellbaren Strahlen schädigen die DNA von Krebszellen so, dass ihr Wachstum gestoppt wird. Die Behandlung mit etwa 20 Bestrahlungen kostet 19.500 Euro, nach den Ersatzkassen, so zeichnet sich ab, wird auch die AOK die Behandlung zahlen.

In das Gebäude wird die gesamte Strahlentherapie des Kieler Universitätsklinikums einziehen, man merkt dem Kieler Strahlenmediziner Prof. Bernhard Kimmig und seinem Lübecker Kollegen Prof. Jürgen Dunst die Begeisterung über eine Therapie an, von der man zu ihrer Ausbildungszeit noch weit entfernt war: „Hier eröffnet sich ein riesiges klinisches und wissenschaftliches Feld“, sagte Kimmig, und Dunst formulierte die Vision: schonende Krebstherapie ohne Blutung, Schmerzen, Narben. Kremer kommentierte „sein“ Projekt mit Blick über die Dachterrasse: „Gar nicht schlecht.“ Da könne man glatt ein Patientenhotel aufsetzen. Aber das war schon Zukunftsmusik.

 

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